Zurück

Ich baue meinen eigenen Static Site Generator

Warum – und warum das keine schlechte Idee ist.

Es gibt Momente, in denen man merkt, dass man an etwas arbeitet, das schon immer da war. Hadley ist so ein Moment.

Nicht, weil ich eines Tages aufgewacht wäre und beschlossen hätte, einen eigenen Static Site Generator zu bauen. Sondern weil ich vor Kurzem damit aufgehört habe, damit aufzuhören.


Ich muss kurz in der Zeit zurück. Nicht weit — nur bis zu einer Schreibmaschine.

Es war die meiner Mutter. Ich war vielleicht acht oder neun. Ich setzte mich hin und begann, den Anfang eines Detektivromans zu tippen. Ich weiß nicht mehr, wie weit ich kam. Aber ich weiß noch, dass ich es wollte – diesen Sog, Gedanken in eine Form zu bringen, die außerhalb des eigenen Kopfes existiert.

Jahre später, kurz vor dem Abitur, haben ein paar Freunde und ich spontan eine Alternative zur damals etablierten Schülerzeitung herausgegeben. Etwas experimentell, seltsam – und wahrscheinlich nicht besonders gut. Aber ich habe geschrieben. Viel. Mit einer Energie die ich damals nicht hätte benennen können.

Dann kam das Programmieren. Nicht als Ersatz — als zweiter Kanal für denselben Drang.


Ich entwickle seit 1996 für das Web. Während dieser Zeit habe ich Shopsysteme in Perl gebaut, statische Generatoren und dynamische CMS für Kundenprojekte in Classic ASP und PHP geschrieben und mehr als einmal gelernt was es bedeutet, ein System wirklich zu verstehen – weil man irgendwann dafür geradestehen muss.

Schreiben und Programmieren liefen lange parallel, selten zusammen. Das eine war Profession, das andere ein Drang, der gelegentlich auftauchte und wieder verschwand.

Was mir fehlte, war nicht die Absicht.
Es war der Tisch.

Ich meine das fast wörtlich: Ich wollte mir endlich einen Tisch bauen, an dem ich schreiben will. Nicht einen geliehenen. Einen eigenen.


Die Idee für hadley ist alt. Zehn, vielleicht fünfzehn Jahre. In der Zeit ist viel passiert: andere Projekte, andere Prioritäten, Alltag der sich zwischen Idee und Umsetzung schiebt wie Wasser zwischen Steine. Hadley existierte in Fragmenten — ein Konzept hier, ein Prototyp dort, ein Ordner, der nie ganz aufgeräumt wurde und nie ganz verschwand.

Was mich immer wieder zurückgebracht hat, war kein strategischer Plan. Es war etwas Einfacheres: Ich wollte verstehen, was passiert. Nicht auf der Oberfläche, sondern darunter. Und ich wollte, dass jede Entscheidung im System von mir kommt — nachvollziehbar, gewollt, meins.

Das klingt eigensinnig. Ist es vielleicht auch. Aber es ist keine Laune.

Ich kenne das Gefühl, ein System vollständig zu durchdringen. Und ich kenne das andere: ein Tool benutzen, das man konfiguriert aber nicht ganz versteht. Das Unbehagen dabei lässt mich nicht los.

Vor ein paar Jahren habe ich Hugo ausprobiert. Es ist gut. Man hat schnell etwas online. Aber dann kommt der Moment, wo man vom „Happy Path“ abweicht — und plötzlich kämpft man gegen das Framework statt mit ihm. Nicht weil Hugo schlecht wäre, sondern weil Hugos Weltbild schlicht nicht meins ist. Ich habe gemerkt: Ich leihe mir gerne Werkzeuge. Aber keine Überzeugungen.


Zurück zu hadley.

Was sich geändert hat, ist nicht die Idee. Die war immer da. Was sich geändert hat, sind die Kosten. Mit KI-Unterstützung ist die Lücke zwischen Konzept und Umsetzung viel kleiner geworden als sie je war. Nicht verschwunden, aber überwindbar.

Ich nutze KI als Denkpartner und zur Umsetzung — aber die Architektur, die Entscheidungen, das Warum hinter jedem Teil: das bleibt meins. Das ist kein Vibe Coding. Das ist das Gegenteil davon.

Es ist kein Zufall, sondern ein Muster. Manche Ideen scheitern nicht am Konzept — sondern daran, dass die Werkzeuge zu ihrer Umsetzung noch nicht existieren. Was fehlte, war nicht die Vision. Was fehlte, war das Werkzeug, das die Vision erreichbar machte.

Der Gedanke war richtig. Das Werkzeug kam nach.

Für mich bedeutet das mehr als eine rein technische Beobachtung. Es bedeutet, dass eine Haltung die ich lange mit mir getragen habe — Verstehen als Grundbedürfnis, Eigentümerschaft als Konsequenz — endlich ihren Preis verloren hat. Nicht den Preis in Geld. Den Preis in Zeit.


Hadley ist ein Static Site Generator (SSG). Er besteht aus vier Komponenten: einer Metadaten-Schicht, einem Markdown-Parser, einer Template-Engine und einem HTML-Formatter — alle aufeinander abgestimmt, nicht einfach nur zusammengesteckt. Er treibt seit dem 27. April 2026 diesen Blog an – dem Tag, an dem ich vor genau dreißig Jahren meine erste professionelle Website online gestellt habe.

Auch Name hat eine Geschichte. Die erzähle ich ein anderes Mal.

Was hadley genau ist — technisch, konzeptionell, als Projekt — das wird diese Artikelserie zeigen. Nicht als Dokumentation. Sondern als das was es von Anfang an war: eine lange Reihe von Designentscheidungen, jede mit einem Argument dahinter. Warum dieses Metadatenformat und nicht YAML ? Warum den bitte ein eigener Markdown-Parser? Warum eine Template-Engine die so aussieht wie sie aussieht, und nicht anders?

Gelegentlich wird es philosophischer. Denn Werkzeuge sagen etwas darüber aus, wie man denkt. Und ich denke schon eine Weile darüber nach.

Hadley ist kein Versuch, das Web neu zu erfinden, und kein Framework das nach universeller Validierung sucht. Es ist meine Antwort auf unübersichtliche digitale Lieferketten und fremde Abstraktionen – der Versuch herauszufinden, was wirklich funktioniert, wenn man die Abhängigkeiten radikal reduziert. Es muss nicht für jeden passen. Es muss nur hier funktionieren.

Der Anfang ist gemacht. Das ist mehr als ich die meiste Zeit sagen konnte.

Kommentar schreiben