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Ein Name ist erst dann gut, wenn man nach ihm gesucht hat

Wie aus Tokenware schließlich LottaBits wurde.

Anfang 2025 hatte mein kleines Projekt schnell einen Namen weg: Tokenware.

Die Idee lag nahe. Ich wusste von Diceware, und mein Verfahren verwendete statt Würfeln nummerierte Tokens beziehungsweise Jetons. Also Diceware → Tokenware. Mehr Gedanken hatte ich mir damals nicht gemacht – das Projekt war privat und lag auf meiner Festplatte.

Jetzt, im Herbst 2026, kam mir die Idee, es als kleines Open-Source-Projekt auf GitHub veröffentlichen. Damit musste ich den Namen zum ersten Mal ernsthaft auf die Probe stellen.


Tokenware war schon vergeben

Die Suche zeigte schnell, dass Tokenware keine gute Wahl war. Es gibt eine aktuelle Softwareplattform unter diesem Namen. Noch relevanter war eine ältere Tokenware aus Berlin, die bereits seit 2018 im Blockchain-, ICO- und Crypto-Umfeld aktiv war – also genau dort, wo ich mit einem Projekt rund um BIP39-Seeds keine Verwechslung gebrauchen kann.

Ob mein kleines nichtkommerzielles Repository damit tatsächlich ein rechtliches Problem gehabt hätte, steht auf einem anderen Blatt. Mir reichte schon:

Der Name ist bereits besetzt und thematisch zu nah dran.

Also musste ein neuer her.


Jetropy

Mein Favorit war Jetropy, aus Jetons + Entropy. Das passte gut, mein Verfahren erzeugt schließlich Entropie mit nummerierten Jetons. Die erste Recherche sah ebenfalls gut aus – bis ich nach ähnlichen Namen suchte.

Dabei tauchte Jentropy auf: eine Entropiequelle für kryptographische Anwendungen von Bouncy Castle. Also aus derselben Ecke, in der auch mein Projekt spielt.

Jentropy
Jetropy

Ein Buchstabe Unterschied, praktisch dasselbe Fachgebiet.

Damit hatte sich auch Jetropy erledigt.


Getropy

Einfach abwandeln? Getropy, aus get entropy. Dazu passte direkt:

Get entropy. By hand.

Grundsätzlich brauchbar. Aber der Name blieb in der -tropy-Namenswelt rund um Entropie. Außerdem kann ein englischer Leser darin theoretisch get ropy erkennen – im britischen Englisch kann ropy/ropey unter anderem „schlecht“ oder „minderwertig“ bedeuten.

Kein großes Problem. Aber wenn ich den Namen ohnehin schon neu wähle, kann ich auch nach einer möglichst „unverfänglichen“ Lösung suchen.

Außerdem bereitet es mir riesigen Spaß, Namen auszudenken - und dabei hin und wieder gute zu finden!


BitsByHand

Der nächste Kandidat war viel direkter: BitsByHand. Der Name sagt, was passiert: Die Zufallsbits entstehen durch einen physischen Vorgang. Beutel, Chips, ziehen, notieren.

Daraus entstand auch der Satz:

Draw bits. Make secrets.

Den wollte ich unabhängig vom endgültigen Namen behalten. BitsByHand war klar und treffend, als Projektname aber etwas zu beschreibend und generisch.


LottaBits

Dann hatte ich eine zündende Idee: LottaBits.

Die erste Lesart ist einfach: a lotta bits, umgangssprachlich also ungefähr lots of bits. Kurz, merkbar - und vor allem: nicht zu technisch.

Bei der anschließenden Sprachprüfung stellte sich noch eine weitere passende Bedeutung heraus: Im Schwedischen bedeutet lotta unter anderem, etwas durch Losziehen zu entscheiden – to draw lots. Das passt ziemlich exakt zum Verfahren: nummerierte Spielmarken ziehen, Bits erzeugen.

Im Italienischen bedeutet lotta wiederum Kampf oder Ringen. Perfekt international bedeutungsfrei ist der Name also ebenfalls nicht. Aber ich fand keine problematische Bedeutung und bisher auch keine relevante bestehende Software-, Crypto- oder Security-Nutzung unter genau diesem Namen – auch auf GitHub gab es kein Projekt, das so hieß.

Damit war meine Entscheidung gefallen!


Und aus den Tokens wurden Chips

Ein Wort war danach noch übrig: Token.

Als Bezeichnung für die gezogenen Spielmarken stand es noch überall – in der Anleitung, auf den Druckvorlagen, in der Software. Im Bitcoin-Umfeld denkt man bei „Token“ aber eben auch an Krypto-Token. Genau die Verwechslung, die ich mit dem neuen Namen loswerden wollte.

Kurz habe ich überlegt, die Spielmarken einfach „Bits“ zu nennen. Das wäre aber falsch gewesen: Die Bits sind das Ergebnis, nicht das, was im Beutel liegt. Und die Trennung zwischen Physischem und Digitalem ist ja der Kern des Projekts.

Also heißen sie jetzt so, wie sie im Schulbedarf auch genannt werden: Chips. Neutral, im Deutschen wie im Englischen verständlich – und dass sich Chips und Bits ein bisschen reimen, nehme ich gern mit.


Dann kam Lotta

Ein Name mit „Lotta“ schreit förmlich nach einer Figur. Ich habe kurz überlegt, welches Tier zu einem Projekt passt, dessen wichtigstes Werkzeug ein Beutel ist.

Die Antwort lag dann nahe: ein Känguru.
(Wombat war aber auch mit in der engeren Wahl…)

Lotta ist eine Kängurudame. Ihr Beutel ist DER Beutel.

Lotta, ein gezeichnetes Känguru, hält den Chip 42 hoch; in ihrem Beutel liegen weitere nummerierte Chips (KI-generiert)
Lotta, mit ChatGPT entworfen

Lotta und den Schriftzug habe ich mit ChatGPT entworfen und danach in mehreren Runden nachgebessert. Bei der Arbeit am Logo entstand auch der zweite Satz, der jetzt unter der Projektbezeichnung steht:

Physical randomness, one chip at a time.

Eine Regel habe ich mir dabei gleich selbst gegeben: Lotta lebt auf GitHub, nicht auf den Druckvorlagen. Ein Protokollbogen für einen Bitcoin-Seed oder eine Passphrase soll nüchtern bleiben – und schwarz-weiß auch gut aussehen.


Was ich dabei gelernt habe

Das Projekt heißt jetzt:

LottaBits
Draw bits, make secrets: Passphrase, Password, Seed.
Physical randomness, one chip at a time.

Die ganze Suche hat mir vor allem eines gezeigt:

Ein Name ist erst dann gut, wenn man nach ihm gesucht hat.

Beim Brainstorming sieht man nur die eigene Idee. Bei der Recherche kommen die anderen Ebenen dazu:

  • bestehende Projekte,
  • ähnliche Namen,
  • GitHub und Paketregister,
  • Marken,
  • andere Sprachen,
  • Aussprache und Nebenbedeutungen.

Gerade bei Kunstwörtern lohnt sich außerdem ein kurzer Cross-Language-Check. Als deutscher Muttersprachler kann ich schlecht einschätzen, welche Assoziation ein vermeintlich englischer Name bei Muttersprachlern auslöst.

Als Namensgenerator taugte KI dabei wenig. Als Advocatus Diaboli war sie großartig: „Sag mir, was spricht gegen diesen Namen?“

Tokenware war meine spontane Namensgebung von 2025. LottaBits ist der Name, unter dem ich das Projekt 2026 tatsächlich veröffentliche: https://github.com/mkorun/lottabits

Wie das Verfahren selbst funktioniert, steht im Hauptartikel: Zufall zum Anfassen.

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